Humorlotsin Insa Grünwald zeigt, wie man trotzdem lacht

Für die Krankenschwester Insa Grünwald ist Lachen unverzichtbar.

Von Sebahat Arifi, WN 24. März 2014

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Heute ist Montag. Das Wochenendewar wieder viel zu kurz, und Sie haben keine Lust, in die Arbeitswoche zu starten?

Nehmen Sie es mit Humor, würde Insa Grünwald jetzt sagen.Die Königslutteranerin ist Humorlotsin und hat es sich zur Aufgabe gemacht,mehr Heiterkeit, Witzund Spaß in das Leben der Menschen zu bringen.

Aber nicht mit Zwang, sondern leicht und locker. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Humor ist eine Lebenseinstellung,und jeder entscheidet für sich, wie er durchsLeben gehen will – warum nicht mit einem Lachen?“, möchte sie wissen.Für sich entdeckt hat die Krankenschwester das Thema bei ihrer Arbeit im Klinikum Wolfsburg.Schon immer sei sie locker an ihre zum Teil schwer erkrankten Patienten herangetreten.Das habe so manche Barriere überwunden.Entscheidend war aber ein Moment vor zwei Jahren.Da sei sie an Rosenmontag mit Hexennase zum Dienst erschienen.

Sowohl Kollegen als auch Patienten hätten im ersten Moment erstaunt oder gar erschrocken geschaut, aber dann angefangen zu lachen.

Und obwohl an diesem Tag viel zu tun gewesen sei, sei er locker vorbeigegangen. Als ihr eineSchülerin dann auch noch erzählte, dass sie im Unterricht das Thema Humor in der Pflege behandelt hätten, war Insa Grünwalds Interesse geweckt, und sie begann Literatur zum Thema zu wälzen. Die Idee, sich als Humorlotsin ein zweites Standbein aufzubauen, war geboren.

Dem Lachen misst die 50-Jährige große Bedeutung zu: „Es ist sozialer Klebstoff, baut Stress ab und bewirkt bei Kranken, dass sie weniger Schmerzen empfinden.“ Dabei sei ihr durchaus bewusst, dass sie nicht jeden knacken kann. „Manche Menschen haben so viele

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Insa Grünwald ist Humorlotsin. Sie will Menschen helfen, ihren Humor wieder zu entdecken, um so den Alltag, das Berufsleben oder Schicksalsschläge besser meistern zu können.

Schicksalsschläge erlitten, dass sie nichts anderes mehr sehen als das Leid“, macht sie deutlich. Deshalb sei es jedes Mal ein vorsichtiges Herantasten und Beobachten– kann dieser Mensch Humor vertragen? Einfach irgendwo reinzuplatzen und einen Witz zu erzählen, wäre nur grob. „Ich bin da ganz intuitiv, es ist schwierig zu erklären. Wichtig ist, achtsam zu sein. Und: Man darf sich nicht davor scheuen, sich selbst zum Horst zu machen“, lacht sie. Tabus kennt Insa Grünwald nicht.Außer, sich über Dritte lustig zu machen. Das sei nur verletzend. Ein Tabu bricht sie, indem sie Humor bewusst mit Palliativarbeit verbindet, zum Beispiel beim Marienstift in Braunschweig.

„Den Tod verdrängen wir. Und Lachen in diesen Zusammenhang zu bringen geht für viele gar nicht. Dabei kann es eine gute Variante sein, dass ansonsten verschlossene Patienten sich öffnen und über

belastende Dinge erzählen“, erläutert sie.

Insa Grünwalds Wunsch wäre es, irgendwann einmal Humorlotsen für den Palliativbereichauszubilden. Bis dahin bildet sie sich selbst immer weiter fort und gibt Seminare nicht nur für Kranke. Darin vermittelt sie ihre Idee von Humor, wie man ihn in das eigene Leben einbinden kann, etwa mit Aspekten aus dem Lachyoga.

Auch das zunächst Künstliche führe zum Wohlbefinden. Zum Beispiel mit dieser Übung: „Bei schlechter Laune einen Bleistift ein paar Minuten lang zwischen die Zähne klemmen und dabei die Mundwinkel nach oben ziehen, danach geht es besser.“ Also: Wenn der Montag Sie nervt, dann probieren Sie es doch mal aus.